Gemeinschaftshaus Agling

2019

FEIERLICHE EINWEIHUNGSFEIER des GEMEINSCHAFTSHAUSES am 26. Juni 2019

Am Mittwoch, dem 26. Juni 2019, wurde das Gemeinschaftshaus von den Bewohnern aus Agling feierlich eingeweiht.

Der Leiter dieses Sectors hat die Feierlichkeiten geleitet, die Eltern von Tenzin Wanga, unserem Ansprechpartner und Koordinator vor Ort, haben die Bewohner mit traditionellem Reis mit Mandeln, Trockenfrüchten und Buttertee bewirtet. Als kurz nach dem Beginn der Zeremonie noch leichter Regen einsetzte war das Glück perfekt!

Tibeter glauben daran, dass alles, was an einem Mittwoch (dem Geburtstags-Wochentag des Dalai Lama) beginnt, gesegnet sei. Wenn es dazu noch regnet, so ist der Segen noch um vieles größer!

 

 

Wanga hat versucht, seine Gefühle für uns alle, in Worte zu fassen:

„A day to remember

The day was bright with hazy sun which was on its way from the dusk with all the peoples shuttling here and there for every single penny they could get to earn for their families. Yes, it was a summer time, but Ladakh being one of the most remote place situated at a very high altitude with snow mountains covering all sides of its area, the temperature ranges at 7 degree Celsius. My father was asking my mom to prepare the delicious traditional rice which we normally offer during the time of auspicious event contains rich quantities of almonds, kachew, apricots etc . To make it more tasteful and mouth watering, my mom prepared Tibetan butter tea to grace this event. It started with many old peoples flocking at around 9 am waiting anxiously much before we had actually expected them to be at for their so called “ second home “. I feel it is no wrong to call this house as their second home. Because these elder peoples who are more or less without much support really like to spend lots of time with each other recalling and recounting those old days, those tales, those misconceptions about the world and sometimes the notorious politics at times. In a day they spend around 9 long hours of a day with each other trying to relish every single moment of togetherness despite the dusty wind, bone chilling temperature and the constantly fluctuating temperature. They seem not to care much about temperature which was why they get together everyday when they were left alone at their home. May be that was the reason that almost all of them had different problems of back, spinal cord, legs at the age of fifty.

So in the presence of our group leader, my father humbly started his part of explaining about the contribution of Barbara Beyweiss and Tibetthilfe Gailtal. Few seconds into his words, it rained, like a silver lining thread in a light manner. The old peoples who had seen all the brutalities and tortures of being expelled from their own country by red Chinese folded their hands with their eyes closed mumbled in a low tone voice which really touched my father’s heart. They said “ let those be blessed who always thinks about people’s well-being “ . As soon as the talk about the shaping up of construction in camp and TCV Agling concluded my father requested our group leader to take the responsibilities of looking after this house which we proudly named it as   “Christl House “ in memory of that soul who made everything possible to a great extent. Our group leader, a man in his fifties lauded this effort of ours in bringing up this project. Honestly speaking, the old age peoples has been one of the most vulnerable peoples in our society with not much of a facilities. He rightly stressed the importance of taking care of old peoples as we all go through this process of growth. When our group leader was speaking and lauding our effort, my father and mother felt very emotional to see the old peoples with tears rolling down their cheeks. Their tears were that tears of joy, that tears of being loved and that tears of being cared after being neglected for long. They had that history of being rejected from its own country and fear of being not accepted by the peoples.

I was in school that moment, when I got a text from my father who I really admire saying “Boy , I am really proud of you”. Being admired by your own father was such a milestone for me personally. But I know I won’t be able to achieve this admiration without Barbara. The old peoples gave traditional scarf to my father on our behalf with tears still in their eyes. As my families were wrapping up the whole incident, one old man in his eighties touched my father’s arm and said “ Gen la , Thuche che nang lap rog” which means “ Teacher, say thank you to them “ . I have been teaching for long in our society and I had never seen such purity of thoughts with emotions brewing out for this gratitude they feel we had done. I am indebted to Barbara for letting me to have the honour of having this opportunity of being blessed. This feat we had in this mortal life of us will ring for long as long as my mortal body’s breathes to its last one. No matter how far we are from, we are connected with them through the beautiful and grateful projects we do at their place ……“

Tenzin Wanga, Kooperationspartner

 

ÜBERSETZUNG (Mag.a phil. Silvia Ruth Evelyn Obernosterer )

„Ein erinnerungswürdiger Tag

Es war ein sonniger, etwas diesiger Tag, die Abenddämmerung nahte und alle Menschen pendelten von hier nach dort um ein paar Pennys für ihre Familien zu ergattern. Ja, es war Sommerzeit, aber in Ladakh, als eine der entlegensten und sehr hoch gelegenen Regionen mit schneebedeckten Bergen ringsum, reichten die Temperaturen bis 7 Grad Celsius. Mein Vater bat meine Mutter,  dieses köstliche traditionelle Reisgericht mit vielen Mandeln, Cashewnüssen und Aprikosen usw. zu kochen, das wir normalerweise nur zu besonderen Anlässen zubereiten. Um es noch geschmackvoller zu machen, kochte meine Mutter Tibetischen Buttertee (dieser wird aus Tee, Yakbutter und Salz zubereitet (Anm.)) um diesen Tag noch mehr zu ehren und dabei lief einem das Wasser im Mund zusammen.

Schon um 9 Uhr in der Früh, viel früher, als wir sie tatsächlich erwartet hatten, strömten viele alte Leute herbei und warteten sehnsüchtig auf ihr sogenanntes ‚zweites Zuhause‘. Für mich klingt es nicht richtig, dieses Haus ihr ‚zweites Zuhause‘ zu nennen. Diese älteren Menschen sind mehr oder weniger ohne jegliche Unterstützung. Sie verbringen viel Zeit miteinander und erzählen sich Geschichten von früher. Geschichten über die damalige falsche Auffassung, wie die Welt funktioniert oder manchmal über die ruchbare Politik.

Oft verbrachten sie ganze 9 Stunden eines Tages miteinander und genossen jeden einzelnen Moment miteinander, trotz des Staub aufwirbelnden Windes und der oft extrem schwankenden, eiskalten Temperaturen.

Diese stören sie jedoch wenig, so scheint es, denn sie treffen sich jeden Tag, wenn sie allein in ihren Häusern zurückgelassen wurden. Alle hatten sie bereits im Alter von 50 Jahren die unterschiedlichsten Probleme und Schmerzen – im Rücken, in der Wirbelsäule, in den Beinen.

Nun, in Anwesenheit unseres Gruppenleiters begann mein Vater demütig vom Beitrag der Tibethilfe Gailtal und Barbara Beyweiß zu berichten.

Ein paar Worte zu seinen Schilderungen: es regnete leicht, wie Silberstreifen zogen sich die Tropfen vom Himmel. All die alten Menschen, die in ihrem eigenen Land der Brutalität und Peinigung durch kommunistische Chinesen ausgesetzt gewesen waren, falteten mit geschlossenen Augen die Hände zum Gebet und murmelten mit ganz leiser Stimme. Dies berührte das Herz meines Vaters sehr. Sie sagten, „gesegnet seien jene, die stets an das Wohlergehen der Menschen denken“. Als das Gespräch über die Gestaltung und den Aufbau des Camps und des TCV (Tibetan Children’s Village – Kinderdorf (Anm.)) beendet wurde, bat mein Vater unseren Gruppenleiter, die Verantwortung über dieses Haus, wir nannten es stolz ‚Christl House‘, in Andenken an die gute Seele, die all dies zu großen Teilen möglich gemacht hatte, zu übernehmen.

Unser Gruppenleiter, ein Mann in seinen Fünfzigern, lobte unseren Einsatz und brachte dieses Projekt aufs Tapet. Ehrlich gesagt waren die alten Leute die verletzlichsten und gefährdetsten in unserer Gesellschaft, da ihnen fast keine Hilfseinrichtungen zur Verfügung standen. Er betonte die Wichtigkeit, sich um die älteren Menschen zu kümmern, da wir alle in diese Situation kommen werden und den Prozess des Älterwerdens miterleben werden. Als unser Gruppenleiter unseren Einsatz lobte, waren mein Vater und meine Mutter emotional sehr berührt als sie bemerkten, wie den alten Menschen die Tränen über die Wangen flossen. Ihre Tränen waren aber Tränen der Freude darüber, geliebt und umsorgt zu werden, nachdem sie eine so lange Zeit verstoßen worden waren. Vom eigenen Land waren sie in ihrer Vergangenheit verstoßen worden und lebten in ständiger Angst, nicht akzeptiert zu werden. Ich war zu diesem Zeitpunkt in der Schule, als ich eine Textnachricht meines Vaters, den ich aufs Höchste verehre, erhielt. Sie lautete: „Sohn, ich bin wirklich stolz auf dich.“ Von meinem eigenen Vater bewundert zu werden, war für mich persönlich ein Meilenstein. Ich bin mir jedoch dessen sehr wohl bewusst, dass ich ohne die Hilfe von Barbara Beyweiß diese Anerkennung nie hätte erreichen können. Die alten Leute überreichten meinem Vater ein Tuch, welches er uns überbringen sollte. Sie hatten noch immer Tränen in den Augen. Ein alter Mann mit Achtzig Jahren legte seine Hand auf meines Vaters Arm und sagte: „Gen la, Thuche che nang lap rog“, was bedeutet: „Lehrer, sag Danke zu ihnen“. Ich unterrichte schon so lange in unserer Gesellschaft und ich habe noch nie so eine Reinheit der Gedanken gesehen – voller Emotionen der Dankbarkeit für das, was wir getan haben. Ich bin Barbara Beyweiß zu Dank verpflichtet, dass ich die Ehre und die Möglichkeit bekommen habe, so gesegnet zu sein.

Was wir in unserem sterblichen Leben leisten, wird noch lange nachklingen. Bis zu unserem letzten Atemzug. Und trotz der weiten Entfernung sind wir durch diese wunderbaren Projekte mit großer Dankbarkeit verbunden.“

Tenzin Wanga, Kooperationspartner

 

Einfach nur: DANKE euch allen die ihr dies mit ermöglicht habt!!

 

 

BAUFORTSCHRITTE

Freudige Nachrichten: das Gemeinschaftshaus steht kurz vor der Fertigstellung (Juni 2019).

Es fehlen noch Tische, Regale mit Büchern und Spielen für Kinder, Sitzkissen etc.

Die Freude über den neuen „Ort der Begegnung“ in Agling ist aber sehr groß – noch nie in der bisherigen Geschichte haben den kleinen Ort Spendengelder aus dem Ausland erreicht und noch nie konnten schon lange gehegte Wünsche innerhalb kurzer Zeit – DANK Ihrer aller Hilfe! – verwirklicht werden.

Spenden sind weiterhin willkommen um noch die „Feinabstimmung“ finanzieren zu können.

Es steht aber jetzt schon fix: diese Idee wird von den Bewohnern SEHR gut angenommen, fördert das Zusammenleben und den Gemeinschaftssinn. Deshalb wollen wir im kommenden Jahr den Bau eines zweiten Hauses in einem anderen Ortsteil von Agling verwirklichen.

 

BAUARBEITEN

Am 23. Mai erreichten uns wieder neue Fotos über den Baufortschritt des Gemeinschaftshauses in Agling.

Besonders die älteren Bewohner waren von diesen Tätigkeiten sehr angetan. Selbst meist zu schwach und körperlich nicht mehr in der Lage aktiv mitzuhelfen, haben sie die Bauarbeiter aber mit Tee und Essen versorgt und den Bau sehr interessiert verfolgt.

Es ist dies das erste Mal für diese Menschen, dass wer „im fernen Ausland“ Notiz von ihren Ängsten und Nöten nimmt und versucht, die Lebensbedingungen zum Positiven und im Sinn der Allgemeinheit, ohne Vorgaben von Institutionen und anderen fremdbestimmten Vorstellungen und Plänen  zu verbessern.

Die Tibethilfe Gailtal – Klagenfurt hat die gesamte Organisation und Durchführung den Bewohnern vor Ort überlassen – mit dem Wunsch und Ziel, einen Platz zu schaffen, der von allen Bewohnern Aglings genutzt werden kann – als Treffpunkt und Ort der Kommunikation.

 

 

 

Erfreuliche Neuigkeiten aus Agling: Die Bauarbeiten wurden, wie geplant, Anfang Mai begonnen und gehen zügig voran.

 

Weitere Fotos folgen in Kürze ….

 

INFORMATIONEN ÜBER AGLING UND UNSER PROJEKT „GEMEINSCHAFTSHAUS“

Agling ist ein kleiner Vorort von Leh, der Hauptstadt Ladakhs. Ladakh, das Land der Pässe, gehört politisch zu Indien, geografisch jedoch zur Zone der tibetischen Bergsteppen. Lakakh ist nur sehr dünn besiedelt (ca. 300 000 Einwohner). Es wird häufig wegen seiner tibetisch-buddhistischen Kultur und der wunderschönen Landschaft als KLEIN-TIBET bezeichnet. Die Täler Ladakhs befinden auf einer durchschnittlichen Seehöhe von 3000 m.

Es gibt in diesem Bereich Indiens nur sehr wenig Infrastruktur.

Besonders für ältere Menschen ist es schwierig soziale Kontakte zu pflegen da öffentliche Einrichtungen dafür fehlen. So verbringen sie oft viele Stunden am Tag diskutierend und spazierend auch bei Minusgraden im Freien. Krankheiten wie Erkältungen, Gelenksbeschwerden, Harnwegsinfekte stehen leider auf der Tagesordnung.

Ebenso gibt es für Kinder, deren Eltern berufstätig sind, neben der Schule keine Einrichtung, wo sie besonders in der kalten Jahreszeit zusammen kommen können aund unter Aufsicht sind.

Unser Projekt für 2019 ist deshalb der Bau eines Gemeinschaftshauses, vorerst in einem der vier Sektoren („Ortsteilen“) Aglings. Wunschtraum wäre es in jedem Sektor ein solches Gebäude zu errichten.

Das Gemeinschaftshaus soll allen Bewohnern Aglings zur Verfügung stehen und ein Platz der Kommunktion, des Zusammentreffens, Lachens, gemeinsamen Zeit verbringens … werden.

Die Bauarbeiten werden von lokalen Firmen bzw. soweit es möglich ist, in Eigeninitiative der dortigen Bevölkerung durchgeführt.

Spenden für dieses Projekt werden ab sofort auf unserem Gemeinschaftskonto dankbar entgegen genommen!

Bitte mit dem Verwendungszweck: AGLING vermerken!